Mittwoch, 27. Dezember 2017

Der islamische Staat (ISIS), das" Kalifat Projekt" des Pentagons und der weltweite Krieg gegen den Terror

Von Prof. Michel Chossudovsky
Übersetzt von wunderhaft


Dieser Artikel erschien erstmals im Juli 2014 bei Global Research


24. Dezember 2017, Global Research
Die Legende von Al-Qaida und die Bedrohung durch den "Feind von außen" wird durch umfangreiche Medien- und Regierungspropaganda aufrechterhalten.

In der Ära nach 9/11 bildet die Bedrohung durch Al-Qaida den Grundbaustein der US-NATO-Militärdoktrin. Sie rechtfertigt die Durchführung von weltweiten Anti-Terror-Operationen – unter einem humanitären Mandat.

Es ist bekannt und dokumentiert, daß Ableger von Al-Qaida seit dem Höhepunkt des sowjetisch-afghanischen Krieges von den US-NATO in zahlreichen Konflikten als "Geheimdiensteigentum" benutzt worden ist. In Syrien, haben die Al-Nusra- und ISIS-Rebellen als Bodentruppen des westlichen Militärbündnisses gedient, das im Gegenzug die Rekrutierung und Ausbildung paramilitärischer Kräfte kontrolliert.

Während das US-Außenministerium verschiedene Länder der "Beherbergung von Terroristen" beschuldigt, ist Amerika der größte "staatliche Sponsor des Terrorismus": Der Islamische Staat des Irak und al-Shams (ISIS) – der sowohl in Syrien als auch im Irak operiert – wird insgeheim von den Vereinigten Staaten (VS) und ihren Verbündeten, einschließlich der Türkei, Saudi-Arabien und Katar, unterstützt und finanziert. Außerdem deckt sich das sunnitische Kalifat-Projekt des Islamischen Staates des Irak und al-Shams mit einer langjährigen Agenda der VS zur Zerstückelung des Iraks und Syriens in unabhängige Gebiete: Unter anderen, in ein sunnitisch-islamisches Kalifat, eine arabische schiitische Republik und eine kurdische Republik.

Der von den  VS geführte weltweite Krieg gegen den Terror bildet den Grundstein der Miliärdoktrin der Vereinigten Staaten. "Islamistische Terroristen zu jagen" ist Teil und Paket der nicht-konventionellen Kriegsführung. Das dahinterstehende Ziel ist die Rechtfertigung der Durchführung weltweiter Anti-Terror-Operationen, was den VS und ihren Verbündeten die Intervention in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten erlaubt.

Viele progressive Autoren, einschließĺich bei den alternativen Medien, verstehen die Logik hinter dem "Weltweiten Krieg gegen den Terrorismus" nicht. Der islamische Staat des Irak und Al-Shams (ISIS) wird oft als "unabhängige Organisation", anstatt als Instrument des westlichen Militärbündnisses betrachtet. Außerdem befürworten viele überzeugte Friedensaktivisten – die die Dogmen der militärischen US-NATO-Agenda ablehnen – die von Washington gegen Al-Qaida gerichtete Agenda zur Terrorbekämpfung: "Wir sind gegen den Krieg aber befürworten den weltweiten Krieg gegen den Terror.

Das Kalifat-Projekt und der Nationale Geheimdienstbericht der Vereinigten Staaten


Es ist ein neuer Propagandastrom in Bewegung gesetzt worden. Der Anführer des derzeit erloschenen Islamischen Staats des Irak und Al-Shams (ISIS), Abu Bakr al-Baghdadi, hat am 29. Juni die Errichtung eines Islamischen Staates  angekündigt:
Loyale Kämpfer der Gruppe haben verkündet, daß "Kalif Ibrahim ibn Awwad", oder Abu Bakr al-Baghdadi, als der er bis zum Sonntag dem 1. Juli bekannt war, durch das Raschidun-Kalifat* inspiriert worden sei, das im siebten Jahrhundert Nachfoger des Propheten Muhammad gewesen ist und von den meisten Muslimen verehrt wird.
In bitterer Ironie ist das Kalifat-Projekt als Propagandainstrument seit über zehn Jahren auf dem Reißbrett des VS-Geheimdienstes gewesen. Im Dezember 2004, unter der Bush-Administration, hat der Nationale Sicherheitsrat (NIC) vorhergesagt, daß sich im Jahr 2020 ein vom westlichen Mittelmeer bis nach Zentralasien und Südostasien reichendes Neues Kalifat aufsteigen und zu einer Bedrohung für die westliche Demokratie und westliche Werte werde.

Die "Resultate" des Nationalen Sicherheitsrates wurde in einem 123-seitigen, nicht klassifizierten Bericht unter dem Titel, "Mapping the Global Future", veröffentlicht.
"Ein neues Kalifat ist ein Beispiel dafür, wie eine, aus rassistischer, religiöser Identitätspolitik gespeiste, globale Bewegung zur Basis einer Anfechtung der westlichen Normen und Werte sowie der Grundlage des globalen Systems werden könnte". (Hervorhebung hinzugefügt)
Der Bericht des NIC aus dem Jahr 2004 grenzt, durch seinen Mangel an Intelligenz, geschweige denn historischer und geopolitischer Analyse, an Hohn. Seine, das Kalifat betreffende, falsche Darstellung, birgt, nichtsdestotrotz, eine gerissene Ähnlichkeit zu der am 29. Juni öffentlichkeitswirksam publizierten Erklärung der Errichtung des Kalifats durch ISIS-Anführer, Abu Bakr al-Baghdadi.

Der NIC-Bericht präsentiert ein so genanntes "fiktives Szenario über einen Brief eines fiktiven Enkels von Bin Laden an ein Familienmitglied im Jahr 2020". Auf dieser Grundlage macht er Vorhersagen für das Jahr 2020. Basierend auf der Erzählung über den Brief eines erfundenen Enkels Bin Ladens, anststatt auf geheimdienstlicher und empirischer Analyse, kommt die Geheimdienstgemeinde der Vereinigten Staaten zu dem Schluß, daß das Kalifat eine tatsächliche Gefahr für die westliche Welt und die westliche Zivilisation darstellt.

Von einem Propagandastandpunkt aus, besteht das dem Kalifat-Projekt zugrunde liegende Ziel – wie in dem Bericht des NIC beschrieben – in der Dämonisierung der Muslime mit Blick auf die Rechtfertigung eines militärischen Kreuzzugs:

"Das unten dargestellte fiktiver Szenario ist ein Beispiel dafür, wie eine, aus rassistischer, religiöser Identitätspolitik gespeiste, globale Bewegung zur Basis einer Anfechtung der westlichen Normen und Werte sowie der Grundlage des globalen Systems werden könnte.

In diesem Szenario wird ein neues Kalifat ausgerufen, daß es schafft eine mächtige Gegenideologie zu befördern, die weitreichende Attraktivität erlangt.

Es wird in Form eines hypothetischen Briefes eines fiktiven Enkels von Bin Laden an ein Familienmitglied im Jahr 2020 dargestellt.

In diesem erzählt er über den Kampf des Kalifats bei dem Versuch die Kontrolle über traditionelle Regime zu erringen und über den Konflikt und die Verwirrung, welche hieraus, sowohl innerhalb der muslimischen Welt als auch außerhalb, zwischen Muslimen und den Vereinigten Staaten, Europa, Rußland und China, entstehen. Während der erfolgreichen Mobilisierung unterschiedlicher Unterstützer werden, als Folge dieser Aufrufe, Orte außerhalb des muslimischen Zentrums im Mittleren Osten – in Afrika und Asien– erschüttert.

Das Szenario endet, bevor das Kalifat in der Lage ist sowohl seine spirituelle als auch seine temporäre Autorität über ein Territorium zu erlangen – wie es historisch bei ehemaligen Kalifaten der Fall gewesen ist. Am Ende des Szenarios leiten wir die sich hieraus ergebenden Schlüsse ab. (“Mapping the Global Future”.  S. 83)


Seite 90 des Berichts
Dieser "maßgebliche" Bericht des NIC, "Mapping the Global Future" wurde nicht nur dem Weißen Haus, dem Kongreß und dem Pentagon vorgelegt, sondern wurde auch an die Verbündeten Amerikas verschickt. Die "von der muslimischen Welt ausgehende Bedrohung", auf die der NIC-Bericht hinweist, ist (einschließlich des Kapitels über das Kalifat-Projekt) fest in der Militärdoktrin der US-Nato verwurzelt.

Die NIC-Dokumente waren zur Lektüre für Spitzenbeamte bestimmt. Vereinfacht gesagt, waren sie Teil der für führende Entscheidungsträger von Außenpolitik und Militär bestimmten "Top offiziellen" (TOPOFF) Propagandakampagne, ganz zu schweigen von Wissenschaftlern, Forschern und NGO-"Aktivisten". Das Ziel ist sicherzustellen, daß "Spitzenbeamte" weiterhin daran glauben, daß ilsamische Terroristen die Sicherheit der westlichen Welt bedrohen.

Die Grundlage des Kalifat-Szenarios ist der "Zusammenprall der Zivilisationen", der, in den Augen der Öffentlichkeit, Amerika zu weltweiten Interventionen als Teil einer globalen Strategie zur Terrorbekämpfung berechtigt.

Von einem geopolitischen und geographischen Standpunkt aus eröffnet das Kalifat den Vereinigten Staaten ein weites Feld, auf dem sie versuchen ihren wirtschaftlichen und strategischen Einfluß auszuweiten. Mit den Worten Dick Cheneys, bezüglich des NIC-Berichts aus dem Jahr 2004:
"Sie reden davon etwas errichten zu wollen, daß Sie als Kalifat aus dem siebten Jahrhundert bezeichnen könnten. Das war die Welt, wie sie vor 1.200 oder 1.300 tatsächlich organisiert war, als der Islam oder islamische Menschen im Westen ganz Portugal und Spanien kontrolliert haben. Alles, vom Mittelmeer bis Nordafrika, gesamt Nordafrika, den Mittleren Osten, bis hinauf in den Balkan, die zentral-asiatischen Republiken, die Südspitze Rußlands sowie einen großen Streifen Indiens und die Umgebung des heutigen Indonesiens. Gewissermaßen von Bali und Jakarta vom einen Ende, bis nach Madrid und darüber hinaus zum anderen. Dick Cheney (Hervorhebungen hinzugefügt)

Screenshot von Seite 92 des NIC-Reports
Was Cheney beschrieben hat ist im heutigen Kontext eine weite strategische Region, die sich vom Mittelmeer bis nach Zentralasien und Südostasien erstreckt, in der die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten mit einer Vielzahl von Militär- und Geheimdienstoperationen, einschließlich der verdeckten Unterstützung von mit ISIS und Al-Qaida verwandten Organisationen in so genannten "Ländern und Regionen, in denen radikale Islamisten gewalttätigen Gruppen unterstützt haben...", involviert sind. (siehe die obige Karte)

Das erklärte Ziel des NIC-Berichts bestand darin "die nächste Bush-Administration, durch die Projektion derzeitiger Trends, welche US-Interessen gefährden könnten, auf künftige Herausforderungen vorzubereiten.

Das Geheimdienstdokument des NIC basierte, ehe wir es vergessen, auf "einem hypothetischen Brief eines fiktiven Enkels von Bin Laden an ein [fiktives] Familienmitglied im Jahr 2020". "Der zu vermittelnde Inhalt" ist, wie in diesem ´maßgeblichen´ Geheimdienstdokument des NIC hervorgehoben, Folgender:
  • Das Kalifat-Projekt "stellt eine ernstahfte Anfechtung der Internationalen Ordnung dar"
  • "Die IT-Revolution wird den Zusammenprall der westlichen und der muslimischen Welt wahrscheinlich verstärken..."
Das Dokument bezieht sich auf den Reiz des Kalifats auf Muslime und schlußfolgert, daß:
"die Verkündung des Kalifats die Wahrscheinlichkeit von Terrorismus und des Schürens weiterer Konflikte nicht verringern würde". [sic]

    Die Analyse des NIC deutet an, daß die Errichtung eines Kalifats eine neue, von der muslimischen Welt ausgehende Welle des Terrorismus erzeugen und somit eine Ausweitung des weltweiten Krieg Amerikas gegen den Terror rechtfertigen wird (GWOT):
    "Die Ausrufung des Kalifats ... könnte bei einer neuen Generation von Terroristen die Absicht erwecken jene anzugreifen, die das Kalifat ablehnen, sei es innerhalb oder außerhalb der muslimischen Welt" (Hervorhebung hinzugefügt)
    Was der Bericht des NIC nicht erwähnt ist, daß der Geheimdienst der VS mit dem britischen MI6 und dem israelischen Mossad in Verbindung stehen, welche insgeheim sowohl an der Unterstützung der Terroristen als auch des Kalifat-Projekts beteiligt sind.

    Im Gegenzug haben die Medien auf eine neue Welle von Lügen und Erfindungen eingespielt, die sich auf "eine neue terroristische Bedrohung" konzentriert, welche nicht nur von der muslimischen Welt, sondern von "einheimischen islamistischen Terroristen" in Europa und Nordamerika ausgeht.

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    Michel Chossudovsky ist preisgekrönter Autor und emeritierter Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Ottawa, Gründer und Direktor des Centre for Research on Globalisation (CRG) in Montreal sowie der Herausgeber von Global Research. Als Gastprofessor hat er in Westeuropa, Südostasien, im Pazifischen Raum und in Lateinamerika gelehrt und war als Berater für verschiedene internationale Organisationen in Entwicklungsländern tätig. Er ist Autor von elf Büchern, einschließlich "The Globalization of Poverty", "The New World Order" (2003), America’s “War on Terrorism” (2005), "The Global Economic Crisis", "The Great Depression of the Twenty-first Century" (2009) (Herausgeber), "Towards a World War III Scenario: The Dangers of Nuclear War" (2011), "The Globalization of War", "America's Long War against Humanity" (2015). Er ist Beitragender der Encyclopaedia Britannica. Seine Texte wurden in über zwanzig Sprachen veröffentlicht. Im Jahr 2014 erhielt er die Goldmedaille für Verdienste um die Republik Serbien für seine Schriften über den Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien.


    Quelle: https://www.globalresearch.ca/the-islamic-state-caliphate-project-and-the-global-war-on-terrorism/5389530


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