Dienstag, 12. September 2017

Beginnt Europa bezüglich der Flüchtlinge vernünftig zu werden?

Von Deena Stryker
Übersetzt von wunderhaft


11. September, Global Research



Angela Merkel wird eine einfache Wiederwahl für ihre vierte Amtszeit vorhergesagt – nur fünf Jahre weniger als Wladimir Putin an der Macht, wird ihr gratuliert, während jener beschuldigt wird ein manipuliertes System anzuführen – obwohl ihr viele deutsche Wähler übel nehmen Deutschlands Tore für muslimische Flüchtlinge und Wirtschaftsmigranten geöffnet zu haben.

Nordafrikanische und türkische Arbeiter sind in Europa nicht neu: in den Sechziger Jahren haben Frankreich und Deutschland, um ihre vom Krieg dezimierte Arbeiterschaft wieder aufzustocken, Tausende von ihnen ins Land gebracht, die dazu ermutigt worden sind ihre Frauen und Kinder nachzuholen. (der BRD und ihren Besatzern ging es hierbei m. E. auch und besonders darum die Löhne zu drücken, woran sich bis heute nichts geändert hat / Anm. d. Übers.). Letztere sind weit davon entfernt in die Länder ihrer Eltern zurückzukehren und islamisieren den christlichen Kontinent, so wie es die einwanderungsfeindliche Rechte behauptet.

Obwohl er keine Chance auf die Kanzlerschaft hat, machte der der Kandidat der Freien Demokratischen Partei (FDP), Christian Lindner, einen anscheinend großartigen Vorschlag: Deutschland solle daran arbeiten, den Frieden im Mittleren Osten und in Afrika wiederherzustellen und dann die Flüchtlinge zur Rückkehr auffordern.

Tatsächlich jedoch wird das Jahrzehnte in Anspruch nehmen, in denen die Kinder der heute Ankommenden eigene Kinder zeugen, denen die Länder ihrer Eltern fremd sein werden. Zum Vergleich träumt die zweite und dritte Generation von Palästinensern immer noch von einem palästinensischen Staat auf einer zusammenhängenden Fläche, auf der durch die Besatzung die Zeit stehen geblieben ist, während in Afrika und dem Mittlere Osten, wo die Schäden von Kolonialismus und Krieg repariert werden müssen, ganz andere Verhältnisse herrschen.

Warum also Lindners Vorschlag auch nur erwähnen? Genau deshalb, weil er die Verantwortung für die überdimensionale Welle muslimischer Einwanderer direkt in die Hände der christlichen Welt legt, die diese zurückweist. Nach den Zerstörungen des 2. Weltkriegs hat Europa dankbar amerikanische Hilfe in Anspruch genommen. Obwohl sie als altruistisch dargestellt worden ist, hat sie Verpflichtungen beinhaltet, die eine unabhängige Außenpolitik der Alten Welt verhindert haben. Obwohl Frankreich und England der Aufbau nuklearer Abschreckungsmittel innerhalb der NATO gelang, wurde ihre Beteiligung an von den Vereinigten Staaten geführten Kriegen erwartet, ohne sich deren Bumerang-Effekt vorzustellen. Während Amerika von dem eurasischen und afrikanischen Kontinent durch zwei Ozeane sicher getrennt war, drängten die Opfer seiner Kriege nach Europa als nächsten sicheren Hafen.

Im Gegensatz zu deren Erwartungen hat Europa sie jedoch im Stich gelassen. Die  sogenannte ´Union´ überließ es ein Jahr lang Griechenlands Schultern die Lasten des Mittleren Ostens zu tragen, bis es ihr gelang die Türkei zu überreden, einige Flüchtlinge, im Austausch gegen satte Bezahlung für den Betrieb von Flüchtlingslagern und aussichtsreichen Versprechen einer EU-Mitgliedschaft, zurückzunehmen.

(Dreißig Jahre lang, in denen Hunderttausende türkische und nordafrikanische Arbeiter die deutsche und französische Wirtschaft am Laufen hielten, hat die muslimische Türkei versucht ein Teil Europas zu werden. Nun wurde sie aufgefordert Tausende Fremde aufzunehmen, damit Europa "ein christlicher Kontinent" bleiben könne, während den Türken nicht einmal Visa-freie Reisen gewährt werden! Im Jahr 2016 resultierte ein gescheiterter Putsch gegen den türkischen Präsidenten Erdogan in hartem Durchgreifen gegen Dissidenten, die Presse und die Justiz und sogar in der mehrheitlichen Zustimmung für Verfassungsänderungen, die seine Macht ausweiteten, was einen EU-Beitritt nur unwahrscheinlicher machte und daher die Kooperation der Türkei bezüglich der Flüchtlinge weiter erschwerte.)

Während Italien, als den libyschen Ausreisehäfen nächstgelegenes europäisches Land, schlicht überrannt worden ist, hielten Frankreich und Spanien ihre Häfen für Schleuser verschlossen. (Deutschland drängte, obwohl es gar keinen Mittelmeerhafen besitzt, auf gemeinschaftliche Seepatrouillen.) Einige Flüchtlinge zogen nach Rom, wo sie auf einem großen Platz in der Nähe des Hauptbahnhofs kleine Schutzzelte aufbauten, während man andere Felsblöcke erklimmen sah, die Ferienhäuser zwischen Ventimiglia und Menton vor dem Meer schützen. Sie zogen ins sechshundert Meilen entfernte Calais, wo sie ein Lager errichteten, das bald als ´der Dschungel´ bekannt wurde.

Von dort aus versuchten sie nachts nach England zu gelangen, entweder auf LKWs oder auf Zügen unter dem Kanaltunnel, und tendierten, in dem Glauben, daß eine konservative Monarchie sie eher schützen würde, als eine sozialistische Regierung, eher dazu Englisch als Französisch zu lernen. Schon bald gesellten sich Heranwachsende und sogar unbegleitete Kinder zu ihnen. Nach einigen Jahren von sich häufendem Müll und Bürgerprotesten, zwang sie die Regierung zu gehen, wobei sich die meisten verstreuten, bevor sie hätten umgesiedelt werden können.

Währenddessen und unerwartet wurden die Flüchtlingsquoten, die Brüssel für jedes Land angeordnet hatte, von den jüngst beigetretenen osteuropäischen Nationen empört zurückgewiesen, besonders von Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei. Nach zwei Generationen, in denen sie hinter der Mauer gelebt hatten, empfanden sie es nicht widersprüchlich selbst Mauern zu errichten und Polizeihunde einzusetzen, um die Flüchtlinge davon zu ǘberzeugen niemals toleriert zu werden.

Die von Angela Merkels Politik der offenen Türen verärgerten deutschen Wähler werden wahrscheinlich weder die Sozen noch die Grünen wählen. Allerdings wird der Vorschlag der Freien Demokraten – ein normalerweise möglicher Koalitionspartner –, den Flüchtlingen ein Bleiberecht in Deutschland zu gewähren bis der Mittlere Osten und Afrika befriedet sind, wahrscheinlich der rechtsextremen, einwanderungsfeindlichen Partei, Alternative für Deutschland, Auftrieb verschaffen.

Die meisten Deutschen halten Merkel bezüglich der Beziehungen sowohl zu den Vereinigten Staaten als auch zu Rußland für die aussichtsreichste Kandidatin. Aber, wenn Lindners Vorschlag auch vernünftig klingt, wissen sie tief im Innern, daß das Problem der muslimischen Einwanderung nur wachsen kann. (Lesen Sie hier und hier.)

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Deena Stryker ist amerikanische und französische Journalistin, die in einem Dutzend europäischer Länder auf beiden Seiten der Ost-West-Grenze gelebt und gearbeitet hat. Derzeit schreibt sie für New Eastern Outlook und ist Mitherausgeberin von thegreanvillepost und opednews. Auf ihrem Blog, otherjones.com, hat sie den Sieg von Obama im Februar 2007 vorhergesehen, und seitdem über Tausend Artikel veröffentlicht. Sie ist Autorin von ´Cuba: A Diary of the Revolution, Conversations with Fidel, Raul, Che and Celia Sanches´, das im Jahr 2016 mit Photos aus ihrem Kuba-Archiv bei der Duke University von Tayen Lane veröffentlicht wurde. Sie hat zahlreiche andere Bücher geschrieben, einschließlich ´Une autre Europe, un autre Monde´, das mit einem Stipendium des Centre National du Livre veröffentlicht worden ist und die Wiedervereinigung Europas vorhergesehen hat. Kürzlich reiste sie nach Rußland, um dort das Leben von Amerikanern und anderen Auswanderern zu dokumentieren, die entschlossen haben dort zu leben. ´Russia´s Amerikans´ ist ein Projekt mit 60.000 Abbildungen, das kurz vor seinem Abschluß steht.
 

Die Bildquelle stammt von TruePublica


Quelle: https://www.globalresearch.ca/is-europe-beginning-to-talk-sense-on-refugees/5608488


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