Donnerstag, 28. Juli 2016

Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei - informelle Operationen der NATO

Von J.Hawk, Daniel Deiss, Edwin Watson / SOUTH FRONT
Übersetzt von wunderhaft


Psychologische Kriegsführung (im Englischen PSYOP) besteht aus der Übermittlung ausgewählter Informationen und Hinweisen, welche die Emotionen, die Beweggründe, den ojektiven Verstand und schließlich das Verhalten von Organisationen, Gruppen und Individuen beeinflussen. (aus der englischen Wikipedia)





26. Juli 2016
Nach der Ära des Kalten Krieges kann das beginnende Interesse an Informationskriegen bis zur UN-Intervention in den Völkermord in Somalia und Ruanda zurückverfolgt werden. Die öffentliche Meinung war ein Faktor, der von den politischen Klassen bei der verhältnismäßig ehrlichen und direkten Berichterstattung aus diesen Kriegsgebieten berücksichtigt werden mußte. Der damals beklagte, so genannten "CNN Effekt" zwang Politiker, unabhängig von den Wünschen der Eliten zur Gestaltung der Ereignisse jener Zeit, Truppen zu entsenden und/oder abzuziehen. 

Die frühen Methoden zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch die Manipulation der Medien reichten, trotz angemessener Erfolge, nicht aus. Wir haben ihre Stärken und Grenzen in den beiden Irak-Kriegen gesehen, in denen der Großteil der Medien durch Presseinformationen vereinnahmt wurde (ohne Mangel an Videos über NATO-Bomben, die zielsicher auf die offensichtlich bösen, feindlichen Ziele trafen) und später bei der Einbettung von meist männlichen Reportern in Militäreinheiten, was einerseits deren Ego stärkte und sie andererseits den militärischen Standpunkt übernehmen ließ.

Trotz all dem erwies sich eine Kontrolle der Berichte als unmöglich und die öffentliche Unterstützung der zahlreichen US- und NATO-Kriege kollabierte unter dem Druck unangenehmer Nachrichten, die eben jene Mainstream-Medien sendeten, welche sich noch einen Grad deutlicher Unabhängigkeit erhalten hatten. Bei einem Sprung über ein Jahrzehnt in die Zukunft stellen wir bei den derzeitigen Kriegen in Syrien, Jemen, dem Irak, der Ukraine und anderen eine klare Veränderung fest. Es gibt eine dominierende Darstellung, die buchstäblich von allen Mainstream-Medien, unabhängig von deren vorgeblichen ideologischen Neigungen, vermittelt wird. Egal wohin Sie sich wenden, Sie lesen immer von Assads "Fass-Bomben", Gaddafis "Massakern" oder "der russischen Agression". Diese stets gleichen Berichte repräsentieren nicht nur einen einzigen Standpunkt, sondern sind, zumindest in den häufigsten, grundlegenden Fragen, tatsächlich falsch. Wie haben die Vereinigten Staaten und die NATO eine so verblüffende Disziplin innerhalb der vermeintlich freien und unabhängigen westlichen Medienlandschaft erzeugt?

Die Antwort gliedert sich in drei essentielle Teile: den Stand der Medienaufsicht, die Auswahl bestimmter Reporter und das Streuen von Propaganda mit verdeckten Mitteln. Die ersten beiden sind offensichtlich genug und werden schon lange praktiziert. Medienunternehmen sind eben jene Unternehmen, die Gegenstand einer Vielzahl von Gesetzen und Regulierungen sind, deren Anwendung dazu benutzt werden kann, um einzelne Kanäle zur Übernahme des gewünschten Standpunkts bringen. Die klingende Münze des einzelnen Reporters ist der "Zugang" zu privilegierten Informationen, deren Veröffentlichung oder Zurückhaltung die Effektivität eines Regierungspropagandisten ausmacht. Der dritte Teil, das Streuen von Propaganda mit verdeckten Mitteln, ist neu, und dieser Faktor erklärt wahrscheinlich die mangelnden Unterschiede in der Berichterstattung der verschiedenen Nachrichtenkanäle. Die Medien, die lediglich der für sie bereitgestellten offiziellen Darstellung folgen, haben nicht mehr den Mut Berichte von sozialen Medien oder anderen inoffiziellen Quellen zu veröffentlichen.

Die sogenannten Untersuchungen des MH-17-Desasters ist ein hierfür ein Beispiel, wenn auch, wegen der rauhen Methoden des ukrainischen Informationskrieges ein ziemlich rauhes. Jedoch ist offenkundig, daß nahezu alle "Beweise" für die Verwicklung Rußlands oder rußlandfreundlicher Rebellen von den ukrainischen Geheimdiensten vorbereitet und dann durch soziale Medien kolportiert wurden, bevor sie dem westlichen Publikum als die Wahrheit und nichts als die Wahrheit präsentiert worden sind.

Die NATO führt ähnliche Operationen durch,die schwerer zu erkennen und zu kontern sind, weil sie anspruchsvoller und besser institutionalisiert sind und mit höheren Geldmitteln finanziert werden. Das Vereinigte Königreich unterhält die 77. Brigade, deren Untereinheiten die Media Operation Group sowie die undurchsichtige 15. Psychological Operation Group einschließen, die als "Twitter-Kommando" bezeichnet wurde. Deutschland hat das ZOpKomBw oder Zentrum Operative Kommunikation der Bundeswehr aufgebaut. In den Vereinigten Staaten scheinen informelle Operationen gegen die US-Bevölkerung der Geheimdienstgemeinde zu unterstellt zu sein, was in Anbetracht des Tabus von Militäroperationen auf dem Boden der Vereinigten Staaten verständlich ist. So entziehen sie sich weitgehend der öffentlichen Überprüfbarkeit, obwohl unbestätigte Berichte aus einer Vielzahl von Kriegsgebieten sowie auch die Bestellung vorbereiteter "Zeugen" in Untersuchungsausschüssen des Kongresses klare Hinweise auf ihre Arbeit geben. Selbst Nicht-NATO-Mitglieder wie Schweden beteiligen sich durch die Errichtung eigener informelles Operationseinheiten, deren Absicht die Führung eines Informationskrieges gegen ihre eigene Bevölkerung ist. Auf NATO-Ebene werden Operationen im Informationsbereich von der NATO-Doktrin, JP 13-3 Information Operations, koordiniert, deren Praxisanwendungen durch bündnisweite Übungen, wie dem Multinational Information Operations Experiment (MNIOE), verfeinert werden.

Die westlichen Wähler haben all diese Maßnahmen akzeptiert, weil sie ihnen als Teil der Antiterror-Maßnahmen ihrer Länder verkauft worden sind. Was sie hierbei nicht berücksichtigt haben ist,daß der Terrorismus ein grenzüberschreitendes Phänomen ist und sich der Feind längst innerhalb der westlichen Gesellschaften befindet. Das bedeutet, daß sich effektive Operationen im Informationsbereich auch gegen die westliche Öffentlichkeit richten müssen.

Kurzfristig können informelle Operationen die öffentliche Unterstützung politischer Strategien herbeiführen, die andernfalls keine freie Gesellschaft akzeptieren würde. Längerfristig ermöglicht das Umgehen der öffentlichen Meinung den Eliten derzeit eine nie dagewesene Freiheit bei der Durchführung gefährlicher internationaler Abenteuer, die wahrscheinlich fehlschlagen werden und die ohnehin schwache Position der Eliten weiterhin schwächen. Daher bedeutet die Tatsache, daß sich die Eliten der so genannten "freien Welt" zum Erhalt ihrer Macht zunehmend solch schmutziger Tricks bedienen, daß ihr Machterhalt langsam abnimmt.


Quelle: https://southfront.org/war-is-peace-freedom-is-slavery-nato-information-operations/


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